»Jenseits der Wirklichkeit«: Staatsgalerie Stuttgart taucht in den Kosmos des #Surrealismus ein, Herbst/Winter 2026/2027
#Stuttgart, September 2026
Nicht nur mit der Sonderausstellung »Alles surreal?!« veranschaulicht die Staatsgalerie im kommenden Herbst und Winter eindrücklich die Bedeutung des Surrealismus für die #Kunstwelt. Ein Rundgang auf über 1.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche lässt mehr als 250 #Fotografien aus dem Neuankauf der #Münchner #Sammlung #Siegert in Dialog mit mehr als 40 #Gemälden, #Zeichnungen, #Skulpturen, #Objekten und #Filmen treten. Ergänzt durch bedeutende internationale Leihgaben liefert die Schau einen umfassenden Blick auf den Surrealismus. Neben der Sonderausstellung verdeutlichen weitere Präsentationen zeitgleich den genreübergreifenden Einfluss dieser künstlerischen Bewegung – von ihren Vorläufern bis in die heutige Zeit.
Der Surrealismus gilt als eine der folgenreichsten geistigen und künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Die Sonderausstellung »Alles surreal?! Fotografie im Kosmos des Surrealismus«, die vom 4. Dezember 2026 bis zum 11. April 2027 in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen ist, würdigt anlässlich des 200 jährigen Jubiläums der #Fotografie erstmals in diesem Umfang die besondere Bedeutung des Mediums für die Künstler dieser prägenden Kunstbewegung.
»Erstmals nimmt eine Ausstellung die gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Medien im Surrealismus in einem solchen Umfang in den Blick. Damit leistet die Stuttgarter Ausstellung einen wichtigen Forschungsbeitrag, der über die zahlreichen Schauen zum Surrealismus Jubiläum 2024/25 hinausgeht,« sagt Dr. Jens Henning Ullner, der die Ausstellung gemeinsam mit dem Fotoexperten Dr. Ulrich Pohlmann kuratiert hat.
1924 von André Breton in #Paris begründet, erfassen surrealistische Tendenzen ausgehend von der #Literatur ab Mitte der 1920er Jahre auch #Malerei und #Bildhauerei und bewirken überdies eine neuartige #Ästhetik in den noch jungen Medien Film und Fotografie. Mittels ungewöhnlicher Perspektiven und experimenteller Techniken wie #Solarisation, #Mehrfachbelichtung, #Montage und #Collage loten surrealistische Fotografen fortan die Grenzen des Mediums neu aus und heben bisherige Sehgewohnheiten aus den Angeln. Schockiert von der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs und beeinflusst von den Schriften Sigmund Freuds übersteigen ihre Werke radikal die Ebenen von #Vernunft und #Logik und lassen das Assoziative und Traumhafte in den Vordergrund treten. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder auch der menschliche Körper, der seziert und verfremdet wird, um einer vermeintlichen Wirklichkeit näher zu kommen. Mit ihren inszenierten Realitäten wagen die #Surrealisten einen Gegenentwurf zum Weltbild der bürgerlichen Gesellschaft und deren als verlogen empfundenen Moralvorstellungen und leisten auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag zur #Moderne, dessen Nachhall bis heute in #Werbung, #Film und #Kunst allgegenwärtig ist.
»Die Kunst des Surrealismus erscheint heute aktueller denn je. Die Grenzen zwischen realer Welt und konstruierten ›Wahrheiten‹ verschwimmen im digitalen Zeitalter mehr und mehr. Das vermeintlich Faktische stets in Frage zu stellen, haben uns Künstler wie Man Ray oder Magritte gelehrt«, so Dr. Ulrich Pohlmann, ehemaliger Leiter der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum, Fotoexperte und Mitkurator der Surrealismus Schau in der Staatsgalerie. Eben diese Lehren und Einflüsse der Surrealisten und ihrer Konzepte auf zeitgenössische Künstler belegt ein Kabinett innerhalb der zeitgenössischen Sammlungspräsentation »This is tomorrow« begleitend zur #Sonderausstellung. Wie Fenster in die Welt des Unterbewussten, Rätselhaften und Paradoxen beweisen hier Werke von Neo Rauch, Erwin Wurm und Marta Hoepffner eindrucksvoll, dass surrealistische Strategien nicht auf die historische Epoche der 1920er Jahre beschränkt sind. Als subversives und oft existentielles Prinzip in Malerei, Skulptur und Fotografie wirken sie bis in die Gegenwart fort.
Mit der Frage, wie sich das Unsichtbare darstellen lässt, mit Aspekten von Traum und Unterbewusstsein beschäftigten sich bereits Künstler lange bevor mit der Surrealismus Bewegung eine neue, übergeordnete Wirklichkeit Einzug in die Kunst hielt. Schon vor den Surrealisten erschlossen sie die Welten des Albtraums, der Vision, des Fantastischen und Spirituellen. So präsentiert die Staatsgalerie ab dem 27. November 2026 neben den zeitgenössischen Positionen auch die Wegbereiter des Surrealismus: Als Prolog zur großen Surrealismus Ausstellung verfolgt die Präsentation »Albtraum und Vision. Zwischen Schatten und Erleuchtung« im Graphik Kabinett in rund 40 Werken die Ursprünge dieser Bildwelten.
In #Grafiken und #Gemälden des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter Highlights wie Francisco de Goyas »Der Schlaf der Vernunft« oder Max Klingers Variante von Arnold Böcklins »Toteninsel«, scheint ein Zwielicht der Halluzinationen, Metamorphosen und inneren Bilder. Die Ausstellung verortet die Werke in einer längeren europäischen Bildtradition. Seit der Renaissance beschäftigten sich Künstler mit #Dämonen, #Volksglauben, #Alchemie und mystischen Offenbarungen. Mit dem Zeitalter der Aufklärung verschwinden diese Vorstellungen keineswegs. Sie werden vielmehr zu Gegenwelten der Vernunft, in denen sich Ängste, Wünsche und die verborgenen Kräfte der menschlichen Psyche verdichten.
Anstatt diese Künstler lediglich als Vorläufer des Surrealismus zu präsentieren, versteht sie die Ausstellung im Graphik Kabinett als Teil einer gemeinsamen Geschichte der Imagination. André Breton erkennt in vielen von ihnen geistige Weggefährten – Künstler, die den sichtbaren Dingen eine verborgene Wirklichkeit entgegensetzten und damit den Boden für eine der bedeutendsten künstlerischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts bereiteten. »Albtraum und Vision« eröffnet so einen neuen Blick auf die Ursprünge des Surrealismus.
Um die Besucher der Staatsgalerie bei ihrem Rundgang durch den umfassenden »Kosmos des Surrealismus« zu leiten, hat das Museum eine besondere Bildmarke entwickelt: Die aus dem Kampagnenmotiv zur Ausstellung »Alles surreal?!« (»Dalí Atomicus«, um 1948) entsprungene Katze zeigt in abstrahierter und abgewandelter Form den Gästen den Weg zu den drei Präsentationen:
»Alles surreal?! Fotografie im Kosmos des Surrealismus«, 4. Dezember 2026 bis 11. April 2027, 1. Obergeschoss, #Stirling Bau, »Alles surreal?! Fotografie im Kosmos des Surrealismus« ist eine Sonderausstellung des Landes Baden Württemberg und steht unter der Schirmherrschaft des französischen Botschafters in Deutschland, S. E. François Delattre, mehr 🔗 …
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